Jahresbericht 2018/19

Steigende Verschuldung, Klimawandel, Landflucht - trotz Wirtschaftswachstum profitiert nur ein geringer Teil der Bevölkerung von der Entwicklung Kenias. Das Projekt "The Nest" setzt sich für die Randgruppe alleinerziehende Mütter und deren Kinder ein. 

Die wirtschaftliche Entwicklung Kenias
Mit einem robustem Wirtschaftswachstum von fünf Prozent gilt Kenia als «Kraftzentrum der ostafrikanischen Wirtschaftsregion». In den letzten Jahren wurde massiv in die öffentliche Infrastruktur investiert. 
Ein Prestigeobjekt der Regierung ist der «Madaraka Express» – die neue Zugverbindung zwischen Mombasa und Nairobi. Das 3,2 Milliarden Dollar teure Projekt wurde von chinesischen Investoren finanziert und gebaut und verkürzt die Reisezeit zwischen den beiden Städten von zwölf auf fünf Stunden. Ob sich diese Investition rentieren wird ist noch nicht abzusehen.

Die Verschuldung steigt
Leider ist im selben Zeitraum parallel zum Sozialprodukt leider auch die Verschuldung auf rund 50 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung gewachsen. Grösster Gläubiger ist mittlerweile China, dessen Projektfinanzierung erfahrungsgemäß mit Aufträgen an chinesische Unternehmen verbunden ist. Die Firmen beschäftigen vorwiegend Chinesen, bringen Baumaterial mit ins Land und geben damit dem kenianischen Arbeitsmarkt nur geringe Impulse.

Der Klimawandel wirkt sich aus
Die meisten Kenianer leben nach wie vor von der Landwirtschaft. Doch gerade in Kenia hat sich in den letzten Jahren der Klimawandel dramatisch bemerkbar gemacht: Nachdem das Land 2017 von einer schweren Dürre heimgesucht wurde, kam es im Mai 2018 zu sintflutartigen Regenfällen und massiven Überschwemmungen. Mehr als hundert Menschen verloren ihr Leben, große Teile der Ernte wurden vernichtet.  Danach folgte wieder eine lange Dürreperiode. Selbst im bisher so fruchtbaren kenianischen Hochland müssen daher immer mehr Familien hungern. 

Bevölkerung und Landflucht steigen
Kenia hat knapp 50 Millionen Einwohner. Jedes Jahr kommen bei einer Geburtenrate von rund 1,8 Prozent rund eine Million Kenianer hinzu. Der Bevölkerungsdruck verschärft die Landkonflikte. Viele Kenianer wandern in die Stadt, was dazu führt, dass die Slums weiter wachsen. Die dortigen Lebensbedingungen sind zunehmend katastrophal; im größten Slum Nairobis – auf der «Müllkippen Mathare» – wird man im Schnitt nur 38 Jahre alt.

The Nest – das Projekt im Jahr 2018
Stehlen, Verkaufen auf dem Markt ohne Lizenz, Prostitution; dazu die ständige Armut und wenig Hoffnung auf Verbesserung der Verhältnisse – viele Menschen in Kenia begehen in ihrer Not häufig kleine Bagatelldelikte. Davon sind insbesondere alleinerziehende Mütter betroffen, die in ihrem Versuch, ihren Kindern auf normalem Weg Schutz und Nahrung zu bieten, häufig an den äußeren Verhältnissen scheitern. Die Regierung reagiert darauf mit besonderer Härte und verurteilt die Mütter häufig zu unverhältnismäßigen Gefängnisstrafen. Hier setzt das Projekt «The Nest» an: sein Fokus liegt auf der Unterstützung von Müttern in Gefangenschaft und deren Kindern.

Knapp 600 Kinder betreut
Insgesamt erhielten 569 Kinder, deren Eltern mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, im Jahr 2018 Unterstützung durch das Projekt «THE NEST». Viele der Kinder erhielten nur ambulante Unterstützung, zum Beispiel Medikamente oder Kleidung. 149 dieser Kinder wurden jedoch in unser gleichnamiges Kinderheim in Limuru aufgenommen. Das Kinderheim war mit einer Belegung zwischen 98 und 138 Kindern stets überfüllt. Kinderheimplätze sind in Kenia rar, die meisten Kinderheime zudem in einem sehr schlechten Zustand. So fällt es schwer, Kinder abzulehnen, die dringend Hilfe benötigen. 

Kinder medizinisch untersuchen
Alle Kinder, die ins Heim aufgenommen wurden, wurden vorab von der vom Projekt fest angestellten Krankenschwester untersucht, behandelt und bei Bedarf einem Arzt vorgestellt. 80 Prozent der neu aufgenommenen Kinder waren bei der Aufnahme gravierend krank, mangel- oder unterernährt und benötigten zum Teil ärztliche Hilfe. Zwölf der neu aufgenommenen Kinder mussten zunächst ins Krankenhaus eingeliefert werden. Ein zweijähriges Mädchen war massiv unterernährt – es wog bei ihrer Aufnahme nur zwei Kilogramm!

Mütter im Gefängnis besuchen
Wöchentlich besuchte die ebenfalls vom Projekt fest angestellte Sozialarbeiterin die Mütter im Gefängnis und unterstützte sie durch Gespräche, Begleitung bei Gerichtsterminen, Kleidung oder Medikamenten.  165 der Frauen konnten mit Hilfe des «NESTs» direkt nach ihrer Entlassung reintegriert werden. 39 Frauen wurden nach der Haft für mehrere Wochen beziehungsweise Monate ins «Halfway-Haus» aufgenommen um an dem Wiedereingliederungsprogramm teilzunehmen. 14 davon wurden im Jahr 2018 erfolgreich reintegriert, die übrigen befinden sich weiterhin im Reintegrations- oder Follow-up-Programm.  

Ungewollt schwangere Teenager begleiten
Unglücklicherweise waren auch in diesem Jahr unter den aufgenommenen Frauen vermehrt ungewollt schwangere Jugendliche. Diese Mädchen kommen meist aus einem sozial hoch konfliktträchtigen Umfeld: vorwiegend gehen die Schwangerschaften aus Inzest oder Vergewaltigung durch einen nahen Verwandten hervor. Aus ihrem direkten familiären Umfeld erhalten diese Mädchen daher wenig bis keine Unterstützung. Für sie ist es schwierig, eine gute Lösung zu finden, bei der ihre eigene schulische Ausbildung und gleichzeitig eine Betreuung des Kindes gewährleistet sind. Hier unterstützt das Projekt, indem unsere Sozialarbeiterinnen versuchen, für die Mädchen einen Platz in der Grossfamilie oder in einer Pflegefamilie zu finden. Für das Projekt selbst ist die Betreuung von schwangeren Jugendlichen wegen deren häufiger Risikoschwangerschaften häufig mit erhöhten Arzt- und Krankenhauskosten verbunden.

Der Grundstein für das neue Halfway-Haus ist gelegt
Erfreulicherweise konnte Anfang Dezember mit dem Neubau des Halfway-Hauses auf dem Grundstück der Säuglingsstation begonnen werden. Im Dezember 2018 wurde der Grundstein gelegt. Für die Zufahrt auf das Grundstück musste ein kleiner Teil des Nachbargrundstückes erworben werden. Derzeit sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Voraussichtlich Anfang 2020 soll der Bau fertiggestellt werden.

Projektreise 2019
Auf ihrer jährlichen Projektreise wurden die beiden Ärzte Thomas Brandhuber und Dr. Bettina Eschler im März 2019 von der Kinderphysiotherapeutin Inger Hilliges begleitet. Wie in den Jahren zuvor wurden auch in diesem Jahr sämtliche Kinder im Heim medizinisch untersucht. Zudem wurden für die Angestellten zahlreiche Einzel- und Gruppen-Workshops zu medizinischen, physiotherapeutischen und hygienischen Themen durchgeführt. 

Workshops zeigen Wirkung
Durch die Workshops, die seit vielen Jahren regelmäßig durchgeführt werden, konnte viel erreicht werden: So wurden beispielsweise typische Heimkrankheiten wie Pilzbefall, Krätze und Läuse eingedämmt – bei denen länger im Heim lebenden Kindern sogar – komplett eliminiert werden. Der Gesundheitszustand der Kinder hat sich deutlich verbessert, die Arzt- und Krankenhauskosten konnten gesenkt werden. 

DANKE!
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Mitarbeiter in Kenia, die unter oft schwierigen Umständen eine tolle Arbeit leisten!

Aus der Stiftung

Benefizkonzert
Am 07. Juli 2018 fand das Benefizkonzert der Polarlysstiftung erstmals in der Citykirche in Reutlingen statt. Zahlreiche Besucher erfreuten sich abwechselnd an musikalischen Klängen und Berichten aus den Projekten. Unser nächstes Benefizkonzert findet am 27. Oktober 2019 um 17 Uhr in der Friedenskirche in Nürtingen-Reudern statt. 

Neuer Vorstand
Thomas Brandhuber wurde zum 01.01.2019 in den Stiftungsvorstand gewählt. Bereits in den letzten Jahren hat er uns auf den Projektreisen begleitet und bei der Stiftungsarbeit geholfen. Wir freuen uns darauf, dass er uns ab jetzt auch bei der Arbeit im Vorstand aktiv unterstützt.
 

 

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"Den Kindern gehört die Zukunft,
 aber nur wenn wir Ihnen auch
 eine Zukunft schenken!"

Heinrich M. Korte